Klimaschutzbericht 2025/26: Wo Lemgo heute steht – und was daraus für 2030 und 2035 folgt

Wo steht Lemgo beim Klimaschutz? Mit dem neuen Klimaschutzbericht 2025/26 zieht die Alte Hansestadt Lemgo eine umfassende Zwischenbilanz. Erstmals liegen die wesentlichen Ist-Werte für den im Klimaschutzkonzept 2022 vorgesehenen Meilenstein 2025 vor. Der Bericht macht Fortschritte und Abweichungen sichtbar und ordnet ein, welche Konsequenzen sich aus dem heutigen Daten-, Planungs- und Projektstand für die weitere Entwicklung ergeben.

Die letzte umfassende Fortschreibung des Lemgoer Klimaschutzkonzeptes erfolgte im Jahr 2022. Seitdem haben die Energiekrise, neue gesetzliche Vorgaben und weiterentwickelte Fachplanungen die Ausgangslage verändert. Gleichzeitig sind auch in Lemgo zahlreiche Projekte und Maßnahmen vorangekommen.

Eine wichtige fachliche Grundlage bildet dabei auch die Kommunale Wärmeplanung. Auch wenn diese noch nicht abschließend beschlossen ist, ermöglicht ihr aktueller Planungsstand bereits eine deutlich differenziertere Betrachtung der zukünftigen Wärmeversorgung. Die darin enthaltenen Werte sind als fachliche Referenz und nicht als verbindliche Prognose zu verstehen.

„In Lemgo ist in den vergangenen Jahren sehr viel passiert. Mit den Daten für 2025 können wir jetzt erstmals umfassend sehen, wo wir tatsächlich stehen und welche Wirkung die gemeinsam angestoßenen Entwicklungen entfalten. Der Bericht zeigt uns aber auch, wo weiterer Handlungsbedarf besteht. Entscheidend ist: Unsere langfristigen Klimaschutzziele bleiben bestehen – gleichzeitig müssen wir den Weg dorthin mit den heute verfügbaren Erkenntnissen immer wieder überprüfen und weiterentwickeln.“

Frank Limpke, 1. Beigeordneter und Kämmerer der Alten Hansestadt Lemgo

Treibhausgasemissionen seit 1990 deutlich gesunken

Die langfristige Entwicklung zeigt deutliche Fortschritte. Seit 1990 ist die Gesamttreibhausgasemissionen in Lemgo um rund 105.900 t CO₂e beziehungsweise 36,4 % zurückgegangen.

Entwicklung der THG-Emissionen gesamt, unbereinigt (Quelle: Abbildung 2 Klimaschutzbericht 2025/26)

Die in 2025 gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegenen Werte und die Abweichung zu den Zielwerten ist dabei differenziert zu bewerten. Die Treibhausgasbilanz wird nicht ausschließlich durch die Entwicklung der lokalen Energieverbräuche und Anlagenbestände bestimmt. Einen erheblichen Einfluss haben auch übergeordnete Emissionsfaktoren, insbesondere der bundesweite Strommix sowie die Emissionsfaktoren für Erdgas, Heizöl und Fernwärme. Veränderungen dieser Faktoren können die Bilanz verschlechtern, obwohl sich einzelne lokale Aktivitätsdaten positiv entwickeln.

Der Klimaschutzbericht betrachtet deshalb nicht allein die gesamtstädtische Treibhausgasbilanz, sondern analysiert zusätzlich die tatsächliche Entwicklung in den Bereichen Wärme, Strom und Mobilität.

Dabei zeigt sich ein deutlich klareres Bild:

Sektor A – Wärmeversorgung in Gebäuden

Die Verbräuche fossiler Energieträger in der Wärmeversorgung gehen zurück, Wärmepumpen und Fernwärme gewinnen an Bedeutung. Die Zwischenziele 2025 für den Erdgas- und Erdölrückgang wurde beide erreicht bzw. bei Erdöl liegt der Wert mit 67.423 MWh sogar rund 11 % unter dem Zwischenzielwert.

Entwicklung der Erdöl- und Erdgasverbräuche im Vergleich zum Zielpfad (Quelle: Zusammenfassung der Abbildungen 5 und 6 Klimaschutzbericht 2025/26)

Dass die Wärmetransformation in Lemgo bereits stattfindet bestätigt auch die Schornsteinfegerstatik. Anhand dieser wird deutlich, dass in 2025 nur noch ca. 15% der neu eingebauten Heizungsträger fossil waren.

Sektor B – Strom

Beim Ausbau der installierten PV-Leistung liegt Lemgo für 2025 mit 36,2 MWp deutlich über dem Zielpfad (Zwischenziel PV 2025: 30 MWp). In anderen Bereichen verlaufen Entwicklungen bislang langsamer als bei der Fortschreibung des Klimaschutzkonzeptes angenommen. Gerade deshalb ist es wichtig, Zielabweichungen nicht isoliert zu betrachten, sondern ihre Ursachen und die tatsächliche Entwicklung vor Ort einzubeziehen. Die nachfolgende Zusammenfassung zeigt den Gesamtanteil Erneuerbarer Energien im Vergleich zum Gesamtstromverbrauch.

Anteil der örtlichen erneuerbaren Stromerzeugung am geschätzten Gesamtstromverbrauch 2025 unter Berücksichtigung des kalkulatorischen PV-Eigenverbrauchs (Quelle: Abbildung 23 Klimaschutzbericht 2025/26)

Mit Blick auf das Ziel 2030, bei dem 100 % des Gesamtstromverbrauchs bilanziell aus örtlichen Erneuerbarer Energien produziert werden soll, fehlen derzeit noch rund 60 %. Umso wichtiger sind die durch die Stadtplanung erstellten PV- und Windkraftpotenzialanalysen.

Sektor C – Mobilität

Die Zahl elektrisch angetriebener Fahrzeuge steigt kontinuierlich, bleibt mit 1.592 registrierten E-Kennzeichen zum 01.01.2026 bislang aber unter den für 2025 Angenommenen 3.000 Fahrzeugen mit E-Kennzeichen des Klimaschutzkonzeptes. Lemgo liegt damit mit 6,2 % genau im kreisweiten Durchschnitt.

Anteil potenzieller E-Kennzeichen – Lemgo im Vergleich zum Kreis Lippe (Quelle: Abbildung 25 Klimaschutzbericht 2025/26)

Mit der vollständigen Elektrifizierung der Stadtbusflotte kommt ab 2026 ein weiterer positiver struktureller Beitrag zur Antriebswende hinzu.

Was bedeutet der Zwischenstand für 2023 und 2035?

Der Klimaschutzbericht blickt über das Jahr 2025 hinaus und überprüft, wie belastbar die bisherigen Annahmen des Klimaschutzkonzeptes für die weitere Entwicklung noch sind. Dabei geht es nicht um neue starre Prognosen, sondern darum, die bisherigen Zielpfade mit dem heutigen Wissens-, Planungs- und Projektstand abzugleichen.

Für den Wärmesektor zeigt sich für das Jahr 2030 zunächst ein bemerkenswert stabiles Bild: Der aktuelle Planungsstand, der noch nicht abschließend beschlossenen Kommunalen Wärmeplanung, bestätigt den im Klimaschutzkonzept angenommenen Rückgang von Erdgas und Erdöl weitgehend. Die Summe der beiden fossilen Energieträger liegt im KWP-Szenario für 2030 nur rund 3,1 Prozent über dem bisherigen KSK-Wert. Deutlich verändert hat sich dagegen die erwartete Verteilung der zukünftigen Wärmeversorgung. Der Ausbau der Fernwärme kann nach heutigem Planungsstand nicht in dem Umfang erfolgen, wie dies 2022 im Klimaschutzkonzept angenommen wurde. Gleichzeitig gewinnen dezentrale Wärmepumpen früher und stärker an Bedeutung. Für 2030 liegt der im aktuellen KWP-Planungsstand angesetzte Fernwärmebedarf rund 22 Prozent unter der damaligen KSK-Annahme, während der Strombedarf für Wärmepumpen und weitere Wärmestromanwendungen deutlich höher angesetzt wird.

Auch im Stromsektor richtet der Bericht den Blick auf 2030 und 2035. Dabei wurde zunächst die Entwicklung des zukünftigen Gesamtstrombedarfs eingeordnet und untersucht, welche heute bekannten Potenziale aus Photovoltaik, Windkraft sowie Biogas und Biomethan zur Verfügung stehen.

Das Ergebnis: Das Ziel, den zukünftigen Strombedarf bilanziell vollständig durch örtliche erneuerbare Stromerzeugung zu decken, erscheint nach heutigem Kenntnisstand grundsätzlich erreichbar, ist aber noch nicht gesichert. Die aktuelle Potenzialbilanz erreicht unter Einbeziehung des noch nicht genehmigten Windparks Luher Berg rund 94 Prozent des Referenzbedarfs für 2030 und rund 84 Prozent für 2035. Darüber hinaus bestehen weitere konkretisierte Potenziale, unter anderem bei Biomethan, Agri-PV und Windkraft. Diese könnten die verbleibenden Lücken rechnerisch schließen, ihre Umsetzung kann zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht als gesichert angenommen werden.

„Klimaschutz muss künftig stärker als kontinuierliche Steuerungsaufgabe verstanden werden. Technische, gesetzliche, planerische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen verändern sich fortlaufend. Deshalb müssen tatsächliche Entwicklungen, Projektstände und Potenziale regelmäßig überprüft werden, um Abweichungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig nachsteuern zu können.“

Anja Drewes, Koordination des Klimaschutzberichtes 2025/26

Dabei ist wichtig zu betonen: Die langfristigen Klimaschutzziele sind weiter ein wichtiger Anreiz, den richtigen Weg dahin zu finden.“

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